Die Mondsteine
Als letztens die Wupper-Talsperre einen enorm niedrigen Wasserstand hatte, konnte man einen Blick auf sie erhaschen. Vielmehr auf einen von ihnen: einen Mondstein.
Um die Mondsteine rankt sich eine Sage, die Otto Schell in seinem Buch "Bergische Sagen" aufgeschrieben hat. Dort heißt es:
Die Riesensteine im Wiebachtal
Wo das Wiehbachtal in das der Wupper einmündet, liegen drei gewaltige Felsblöcke in der Wupper, wie große Schrittsteine. Über diese sollen vor undenklichen Zeiten die Riesen hingeschritten sein, wenn sie über die Wupper wollten.
Diese Steine drehen sich noch herum, wenn sie das Neujahrsläuten der Glocken von Radevormwald (zwischen zwölf und ein Uhr in der Nacht) hören.
Quelle: Bergische Sagen, Otto Schell (1922), 2. verm. Auflage
Auch Bernhard Sieper widmet 1977 den Mondsteinen einen Artikel in der Zeitschrift für Heimatpflege im Bergischen Land "Romerike Berge" (Heft 3, S. 137). Er führt hier allerdings eine andere Legende an. Nicht die von Schell, die gemeinhin mit den Mondsteinen in Verbindung gebracht wird.
Sieper selbst geht davon aus, dass die Steine vor Urzeiten vom Felsen herab in die Wupper gestürzt sind. Die Menschen aber die folgende Geschichte erdachten, die später von Volksschullehrer Willi Regeniter verfasst wurde.
Hier nun der Text vom letzten Riesen, wie er in einigen örtlichen Familien noch aufbewahrt wird für alle Freunde des bald wie Vineta versinkenden Wiebachtales:
Der letzte Riese
In alten Zeiten war unsere Heimat noch rauh und unwirtlich. Fluren mit wohlgepflegten Äckern und Wiesen gab es noch nicht. Dichter Urwald bedeckte vielfach das Land. In der Zeit hauste in unseren Tälern und auf unsren Höhen einer aus dem Geschlechte der Riesen. Seine Kräfte waren unbändig und seine Sitten wild. Nur ängstlich wagten sich unsere von Landnot hierher getriebenen Urahnen in das Reich des Riesen, um von ihm Land zu erflehen. Dort, wo heute Radevormwald liegt, begannen die Eingewanderten Wälder zu roden. Wohnstätten zu bauen und Äcker und Wiesen anzulegen. Der ungeschlachte Riese schaute grinsend dem emsigen Treiben der Menschen zu. Er freute sich schon auf den Zins, der ihm winkte. Da auf einmal, es waren viele, viele Jahre vergangen, geschah nach Ansicht des Riesen etwas ganz Unerhörtes. Ein Mann im Mönchsgewand erschien. Er verkündete denen, die auf dem Felde um spärliche Frucht rangen, vom ewigen Gott und seinem Heilsplan. Ob solcher Mär erfüllte Argwohn den wilden Gesellen. Als nun der Mönch nach wiederholtem Besuch die zum Christentum Übergetretenen zum Kirchenbau aufforderte, ergriff den Riesen wilder Zorn. Er sah seine Herrschaft bedroht und rief: "Die Kirche will ich zerschmettern, eh' sie vollendet ist!" und eilte davon. Die Männer der Rodung schenkten der Drohung des Riesen wenig Beachtung. Mit dem ersten Morgengrauen des nächsten Tages gingen sie im Vertrauen auf den lieben Gott in den Wald, um die besten Eichen für den Kirchenbau herbeizuschaffen. Als sie bald weit unten im Wiebachtale mit dem Fällen der Bäume beschäftigt waren, hörten sie von der Höhe jenseits der Wupper her, wo heute Hammerstein liegt, ein gewaltiges Stampfen. Da war er wieder, der Unhold. Er trug einen schweren Felsblock auf seiner breiten Schulter. Er wollte seine Drohung ausführen. Im hohen Bogen schleuderte er leichten Armes den Holzfällern den Felsblock entgegen. Ihm folgte ein zweiter und ein dritter. Nur mit Mühe konnten sich die Geängstigten, deren Kleidung vom aufgespritzten Wupperwasser durchnäßt war, in Sicherheit bringen, wo sie ihrem Schöpfer für ihre Rettung dankten. Der Riese, der da meinte, er hätte den Grashüpfern den Garaus gemacht, empfand große Müdigkeit und legte sich schlafen. Ermutigt suchten die Männer den schnarchenden Riesen auf und weckten ihn. Bis ins innerste Mark erschrocken, rannte dieser in eiliger Flucht davon und hat sich nicht mehr sehen lassen. Die drei gewaltigen Felsblöcke liegen noch in der Wupper, wo das Wiebachtal in der Wupper einmündet. Sie drehen sich herum, wenn sie das Neujahrsläuten (zwischen 12 u. 1 Uhr in der Nacht) von Radevormwald hören.
Quelle: Romerike Berge, 27. Jahrgang 1977, Heft 3, S. 137 ff

Quelle: Unsere Bergische Heimat 1959-07, Bergischer Geschichtsverein
Für Siepers These spricht natürlich, der andere große, abgebrochene Felsbrocken, den wir oberhalb der Talsperre auf dem Weg liegen sahen. Wobei der mir doch aus einem anderen Material zu sein scheint.
Armin geht in seinem Blog davon aus, dass es sich bei den Mondsteinen vermutlich um Granit handele, eine Gesteinsart, die im Bergischen überhaupt nicht vorkommt. Das sehen Norbert Bangert und Ralph Vesper genauso, sie zitieren auf der Seite Wuppertalsperre.net dazu einen Artikel aus dem Bergischen Heimatanzeiger von 1985, der davon ausgeht, dass es sich um einen Granitstein handeln könne, der in der Tertiärzeit aus dem Erdinnern geschleudert wurde.
Einer der drei Felsbrocken wurde vor dem Bau der Wupper-Talsperre vor dem Versinken in den Fluten geretten und in den Froweinpark in Radevormwald geschafft.
Auf dem Schild ist zu lesen: "'MONDSTEIN' geborgen aus dem Wupperlauf im Wiebachtal, der heutigen Wupper-Talsperre."
In den alten Legenden geht es immer um drei Steine. Völlig unklar scheint mir allerdings, was mit dem dritten der Steine passiert ist. Sieber geht in seinem Artikel mit keinem Wort darauf ein, dass einer der Felsblöcke fehlte. Ob der dritte damals (1977) noch dort gelegen hat? Mal im Stadtarchiv nachsehen, ob die alten Zeitungsartikel von der Bergung Aufschluss darüber geben.
Der Ort, an dem die Mondsteine in der Wupper lagen, der jetzt in der Talsperre versunken ist, nannte sich die "Himmelswiese". Ich hatte mich schon sehr gewundert, warum alle immer so ein Tara um eine Wiese an der Wupper gemacht haben, davon gab es in den Vor-Talsperren-Zeiten etliche. Des Rätsels Lösung steckt übrigens bereits im Namen der Ortes. Denn auf der Himmelswiese lagen die Leute damals wie Adam und Eva im Himmel, bevor die Geschichte mit dem Apfel passiert ist.




